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Der neue Trendsport für Körper und Geist

10.11.2017

Die Dienstleistungsvariante ist schlicht: hüpfen, hüpfen, hüpfen. Plus etwas werfen, klettern und Kumpels mit einem gepolsterten Battlestick von einem Schwebebalken hauen.

Im Garten steht es längst, ständig öffnet irgendwo eine noch größere Trampolin-Halle, demnächst bekommt das Hüpfgerät gar eine Fernsehshow. Weil es das liefert, was der Mensch jetzt braucht.

Die Fernsehproduktion Endemol Shine Germany mag es groß. Sie will mit ihren Formaten "den Zeitgeist verändern". Derzeit castet sie sportliche Menschen für eine RTL-Sendung namens Big Bounce. "Mut, Ausdauer, Körperbeherrschung", seien erforderlich, denn, so wird versprochen: Der Trampolin-Trend wird Programm.

Zwingende Idee, das große TV-Hopsen. Trampolinspringen ist doch nebst Radfahren und Fußballspielen längst eine der Lieblingsfreizeitbeschäftigungen der Deutschen. Wie unersättlich die Lust darauf ist, zeigt sich am Phänomen Trampolinpark. Über 20 solcher Indoor-Spielplätze gibt es in Deutschland, weitere, immer größere sind geplant.

So positiv wirkt das Trampolinspringen

Harald Lange, Leiter des Instituts für Sportwissenschaft in Würzburg, hat erforscht, warum ein Stück federnde Plane die Menschen derart begeistert: "Das liegt an der Katapultwirkung. Ich setze eine überschaubare Kraft ein und bekomme dafür einen Riesenprofit. Das macht uns neugierig. Und über die Auseinandersetzung mit dem Trampolin werden wir zu Bewegungsexperten." Glaubt man Lange, dessen Institut für Hersteller kostenlos neue Spiel- und Sportgeräte testet, ist das Trampolin die Lösung vieler Probleme: "Es heißt immer, die Kinder hätten sich früher mehr bewegt. Aber hätte man die Gleichgewichtskompetenz der letzten 20 Jahre gemessen, dann wären Kinder heute ganz vorne."

Dass in Deutschlands Gärten allüberall Kinder hinter Netzen auf- und abspringen, findet er "gigantisch", weil sie dank Trampolin in eine "völlig neue Sprung-Flug-Gleichgewichtsdimension" gelangten. "Etliche Studien belegen, dass Gleichgewichtskompetenzen sich auf alle anderen Entwicklungsbereiche positiv auswirken." Kinder mit gutem Balance-Gefühl seien in der Schule besser, sozial kompetenter und generell ausgeglichener. Sein Prädikat fürs Trampolin: "Unendlich wertvoll."

Hüpf-Endorphine kann jeder sammeln

Je länger man mithüpft und den fröhlich verschwitzten Menschen in Jump XL Sicherheitssocken zuschaut, desto mehr versteht man dieses Phänomen. Hier macht Überleben Spaß. Wenn schon fit bleiben, dann doch so. Beim Vereins- und Schulsportklassiker Leichtathletik lautete der Dreiklang Laufen, Springen, Werfen. Die Dienstleistungsvariante ist schlicht: hüpfen, hüpfen, hüpfen. Plus etwas werfen, klettern und Kumpels mit einem gepolsterten Battlestick von einem Schwebebalken hauen.